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Kaum eine israelische Institution steht so sehr im Zentrum internationaler Debatten wie die Tel Aviv University | אוניברסיטת תל-אביב (TAU). Von der internationalen Boykottbewegung gegen Israel (BDS) wird sie als Symbol eines angeblich „apartheidartigen“ Systems dargestellt, als militärische Ausbildungsstätte, als einzig zur Vernichtung der Palästinenser gegründeten Lehranstalt.

Wenn Mordor eine Universität hätte, wäre die TAU.

Doch ein Blick auf den tatsächlichen Alltag dieser Universität und auf die Zusammensetzung ihrer Studierenden und Lehrenden zeigt ein deutlich anderes Bild: Tel Aviv University ist kein Ort der Trennung, sondern einer der Orte in Israel, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam lernen, forschen und arbeiten.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Arabische Bürger Israels – Muslime, Christen, Drusen und Beduinen – stellen an der Universität Tel Aviv etwa 20% der Studierenden. Damit entspricht ihr Anteil ihrem Anteil an der israelischen Gesamtbevölkerung. In Hörsälen, Laboren und Bibliotheken studieren jüdische und arabische Israelis Seite an Seite, gemeinsam mit internationalen Studierenden aus aller Welt.

Eine Universität, die Menschen aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Herkunft ausschließen würde, würde anders aussehen. Die Realität an der Universität Tel Aviv ist jedoch eine Realität akademischer Teilhabe.

Gleiche akademische Kriterien – gleiche Chancen

Die Zulassung zur Universität Tel Aviv erfolgt nach akademischen Kriterien. Bewerberinnen und Bewerber werden nicht nach Religion, Ethnie oder nationaler Herkunft ausgewählt, sondern nach ihren schulischen Leistungen und den jeweiligen fachlichen Anforderungen.

Gleichzeitig bemüht sich die Universität aktiv darum, Zugangshürden für Gruppen abzubauen, die historisch weniger stark vertreten waren. Durch Mentorenprogramme, akademische Unterstützung, Stipendien und gezielte Ansprache arabischer Schulen werden Studierende gefördert, ohne die akademischen Standards abzusenken.

Das Ergebnis ist sichtbar: Arabische Studierende sind in zahlreichen Bereichen vertreten, besonders in Medizin, Ingenieurwissenschaften, Informatik und Rechtswissenschaften. Sie lernen mit jüdischen Kommilitoninnen und Kommilitonen, werden von denselben Professorinnen und Professoren unterrichtet und erhalten dieselben Abschlüsse.

Internationale Studierende – auch aus arabischen Ländern

Auch für internationale Studierende ist die Universität Tel Aviv offen. Studierende aus vielen Ländern der Welt kommen nach Tel Aviv, um dort zu studieren und zu forschen. Dazu gehören auch Menschen aus arabischen Staaten.

Bewerber aus Ländern mit diplomatischen Beziehungen zu Israel, etwa den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko oder Ägypten, können sich regulär für Studienprogramme bewerben. Auch Bewerber aus Ländern ohne diplomatische Beziehungen können in bestimmten Fällen zugelassen werden. Wenn es Einschränkungen gibt, entstehen diese vor allem durch politische Beziehungen, Visa- und Sicherheitsregelungen – nicht durch eine akademische Politik der Ausgrenzung.

Auch für Deutschland ist die Universität Tel Aviv ein wichtiger Partner in Wissenschaft und Forschung. Die Beziehungen zwischen deutschen Hochschulen und der TAU reichen über Jahrzehnte zurück und stehen beispielhaft für die besondere Bedeutung des wissenschaftlichen Austauschs zwischen beiden Ländern.

Zahlreiche deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten mit der Universität Tel Aviv in gemeinsamen Projekten zusammen – von Medizin und Lebenswissenschaften über Künstliche Intelligenz, Klimaforschung und Ingenieurwissenschaften bis hin zu Geistes- und Sozialwissenschaften. Deutsche und israelische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen gemeinsam, veröffentlichen Studien und bilden den wissenschaftlichen Nachwuchs aus.

Für deutsche Studierende ist ein Studium an der Universität Tel Aviv (TAU) vergleichsweise unkompliziert möglich. Die Universität verfügt über eine große internationale Abteilung und bietet zahlreiche englischsprachige Programme für Austauschstudierende, Bachelor- und Masterstudierende sowie Doktoranden an.

Der häufigste Weg führt über ein Austauschprogramm der eigenen deutschen Hochschule. Viele deutsche Universitäten unterhalten Partnerschaften mit der TAU. Studierende bleiben dabei an ihrer deutschen Universität eingeschrieben, absolvieren ein oder zwei Semester in Tel Aviv und können die erworbenen Leistungen anschließend anerkennen lassen. Die Bewerbung erfolgt in der Regel zunächst über das International Office der deutschen Heimatuniversität.

Darüber hinaus können deutsche Studierende auch über das „Study Abroad Program“ der Universität Tel Aviv ein Semester oder ein ganzes akademisches Jahr dort verbringen. Voraussetzung ist üblicherweise die Einschreibung an einer anerkannten Hochschule sowie ein ausreichender akademischer Leistungsnachweis. Viele Kurse werden auf Englisch angeboten, sodass Hebräischkenntnisse für internationale Programme nicht zwingend erforderlich sind.

Auch für ein vollständiges Studium – etwa einen Master oder eine Promotion – steht die Universität Tel Aviv internationalen Bewerbern offen. Die Anforderungen richten sich nach dem jeweiligen Studiengang und umfassen typischerweise akademische Nachweise, Sprachkenntnisse (meist Englisch), Motivationsschreiben und weitere fachspezifische Unterlagen.

Ein Boykott israelischer Hochschulen würde daher nicht nur Israel treffen, sondern auch die internationale Wissenschaftsgemeinschaft – einschließlich deutscher Forschender und Studierender, die von diesen Partnerschaften profitieren. Wissenschaftliche Freiheit bedeutet, Brücken zu bauen und Dialog zu ermöglichen, nicht akademische Grenzen zu errichten.

Forschung und Medizin: Zusammenarbeit statt Trennung

Besonders deutlich wird die Realität israelischer Integration im medizinischen Bereich. Die Universität Tel Aviv bildet einen erheblichen Teil des medizinischen Nachwuchses Israels aus. Arabische Studierende, Ärztinnen und Wissenschaftler sind ein fester Bestandteil dieser Gemeinschaft.

In den angeschlossenen Krankenhäusern arbeiten jüdische und arabische Mediziner gemeinsam. Sie behandeln Patienten unabhängig von Religion oder Herkunft. Wissenschaftliche Zusammenarbeit folgt nicht ethnischen Grenzen, sondern dem gemeinsamen Ziel von Forschung, Heilung und Innovation.

Akademische Boykottkampagnen gegen Tel Aviv University

Trotz dieser Fakten ist die Universität Tel Aviv immer wieder Ziel internationaler akademischer Boykottkampagnen. Organisationen und Aktivisten, die dem Umfeld der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) nahestehen, fordern einen Ausschluss israelischer Universitäten aus der internationalen Wissenschaft.

Ein akademischer Boykott richtet sich aber nicht gegen die israelische Regierung, sondern gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende und internationale Kooperationen. Er trifft auch die arabischen, und muslimischen Studierenden und Forschenden an der Universität Tel Aviv, deren akademische Möglichkeiten dadurch eingeschränkt werden könnten.

Gerade diejenigen, die angeblich geschützt werden sollen, gehören zu den Menschen, die durch solche Maßnahmen beeinträchtigt werden.

Kritik ist möglich – Boykott ist eine andere Frage

Israelische Universitäten sind nicht frei von gesellschaftlichen Debatten und Konflikten. Wie jede große Institution in einer demokratischen Gesellschaft existieren unterschiedliche politische Positionen, Kontroversen und Diskussionen. Auch palästinensische Studenten protestieren regelmässig und offen auf dem Campus der TAU gegen Diskriminierung.

Aber Diskriminierung ist keine Apartheid.

Kritik an einzelnen politischen Entscheidungen der israelischen Regierung ist legitim. Aber die Behauptung, eine Universität wie Tel Aviv University sei ein Instrument der Apartheid, widerspricht der sichtbaren Realität auf ihrem Campus.

Wer die Tel Aviv University boykottieren möchte, sollte sich daher fragen, ob es Palästina befreit, wenn man eine Institution boykottiert, in der jüdische und arabische Israelis gemeinsam lernen und forschen.

Danke an Arielle für die schöne Führung durch den Unicampus.